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June 09, 2010

deSpontankauf auf solider Basis

Category: Presseberichte Evertz Group, Startseiten-Teaser, News Klopp

 

KLOPP

Egon Evertz kaufte vor 18 Jahren den insolventen Maschinenbauer. Jetzt wird Klopp100 Jahre alt

Die beiden Standbeine von Klopp: der Bau von neuen Maschinen (hier mit Ralf Evertz und Frank Kohnertz) . . .

. . . und die Überholung von alten (Senol Türeci und Eugen Lohr).

.

Er wollte nur eine Fräsmaschine
für sein Werk in Langenfeld ersteigern
und kam mit einer ganzen
Firma zurück: Dass Klopp
2010 das 100-jährige Bestehen
feiert, ist Egon Evertz zu verdanken.
Der Unternehmer ließ sich
1992 von Insolvenzverwalter
Hans-Peter Runkel überzeugen,
auch den Firmennamen, die
Zeichnungen und das Lager zu
kaufen. „Wir haben alles übernommen“,
sagt Ralf Evertz, der
in der Gruppe für Klopp verantwortlich
ist, „vom Know-how bis
zu den A-Teilen.“
Auf den schweren Gussteilen
ruht noch heute das Renommee
des Maschinenbauers. Ralf
Evertz: „Durch die eigene Gießerei
in Ohligs war Klopp bei den
Großteilen ausreichend bis bestens
bevorratet. Sie haben die
Gießerei unabhängig von der
Nachfrage laufen lassen und alles
auf eine Karte gesetzt.“
Alte Klopp-Maschinen haben für die
Kunden ein besonderes Gewicht
Der neue Besitzer hielt damit einige
Asse in der Hand. Denn die
gegossenen Großteile, die mehrere
Monate bis Jahre liegen
müssen, bevor das Material entspannt
ist, geben den Fräsmaschinen
eine von den Kunden
besonders geschätzte Basis. „Es
gibt Firmen, die mehr für die
Überholung einer alten Klopp-
Maschine bezahlen, als eine neue
aus Korea kostet“, erklärt Ralf
Evertz. „Die Qualität ist weit besser
als bei A-Teilen aus Stahl.“
„Wir stellten schnell fest, dass
die Firma sehr gute Arbeit geleistet
hat“, betont Evertz. „Das war sicherlich

absolute Weltspitze im
Maschinenbau. Klopp war anfangs
ein sehr stabiles Unternehmen
mit großen Umsätzen, ist
aber zu dem Zeitpunkt in die
Baisse gedonnert, als sie gerade
auf Modulbauweise umgestellt
hatten. Sie haben ihr neues Programm
zur falschen Zeit aufgelegt.“
Außerdem habe das Unternehmen
den eigenen Vertrieb zu
weit zurückgefahren.
Evertz baute die Firma dagegen
langsam wieder auf. Es begann
mit 22 Mitarbeitern, die
den Kundendienst aufrecht erhielten.
Aus ihnen sind rund 60
geworden. Der reine Instandhaltungsbetrieb
nahm als zweites
Standbein die Produktion wieder
auf, denn auch die Evertz-Gruppe
selbst (s. links) ist und war einer
der größten Klopp-Kunden.
Bei der Messe Metav in Düsseldorf
stellte Klopp im Februar
ein neues Fräs- und Bohrwerk
vor. Bei Evertz ist man auf mehr
als 300 Patente und Schutzrechte
stolz: „In einem halben Jahr sind
wir so weit, dass wir auch Titan
bearbeiten können.“ 2009 war allerdings
noch einmal ein hartes Jahr für das

Traditionsunternehmen.
„Da ging es ums Überleben“,
sagt Betriebsleiter Frank
Kohnertz, der bereits seit 1980
für Klopp tätig ist. „Die Firmen
kauften nicht nur keine neuen
Maschinen, sondern sparten
selbst am Kundendienst.“ Klopp
kam dank Kurzarbeit über die
Runden. Inzwischen ist Kohnertz
sicher: „Wenn es so weitergeht,
sind wir im zweiten und
dritten Quartal wieder einigermaßen
rund unterwegs. Die
Nachfrage ist wieder da.“
Bedarf sieht die Geschäftsführung
auch auf einem für Klopp
ganz neuen Feld: Bei der Messe in
Düsseldorf kündigte die Firma
an, künftig auch Schälmaschinen
zu bauen. Die Planung und Forschung
begann bereits vor zwei
Jahren. „Das Know-how ist da;
die Zeichnungen liegen hinter
zwei dicken Stahltüren“, bestätigt
Ralf Evertz. „Wir könnten
heute anfangen.“ Die „technologisch
anspruchsvolle“ neue Maschine
soll Stahlstangen von 8 bis
600 mm Durchmesser „schälen“,
also glätten. Derartige Stangen
werden beispielsweise für die
Fertigung von Wellen benötigt.
Abnehmer der Schälmaschine
sieht Evertz auf allen Kontinenten
– etwa bei großen Stahlwerken
in den Vereinigten Staaten
und in Europa: „Dem Weltmarkt
fehlen diese Maschinen.“
Konkret ist ein von Evertz geführtes
Joint-Venture mit einem
französischen Unternehmen geplant.
In drei Werken soll Stahl
geschält und geschliffen werden
– auch mit Hilfe von Klopp-Maschinen.
Eine rauschende Feier
zum 100-jährigen Bestehen wird
es trotzdem nicht geben. „2009
war schließlich das schlimmste
Jahr“, erläutert Ralf Evertz. „Da
ist es nicht angemessen, im großen
Stil zu feiern. Unser Dank
geht aber an die Belegschaft: Was
wir machen, das kann man nur
mit guten Mitarbeitern schaffen.“
Klopp werde jedenfalls Bestand
haben: „Man kann alles
kaufen. Vertrauen nicht.“

 

Von Wald zum Südpark

Die Werkzeugmaschinenfirma
Friedrich Klopp wurde 1910 in Wald
gegründet. Sie produzierte zunächst
Hobelmaschinen; in den
50er Jahren kamen konventionelle
Fräsmaschinen hinzu (gegen 1970
auch NC- und gegen 1980 CNC-Maschinen).
Nach der Insolvenz siedelte
der neue Inhaber Klopp zunächst
an der Prinzenstraße in Ohligs an –
auf dem Gelände eines Zweigwerks
von Kieserling. Seit 2004 ist die Firma
am Birkenweiher ansässig: Im
ehemaligen Hauptwerk von Kieserling
& Albrecht hat die Evertz-Gruppe
ihren Stammsitz. Klopp fertigt
Konsolfräsmaschinen, CNC-Produktionsfräsmaschinen
in Konsol- und
Bettbauweise sowie Fahrständer-
Fräsmaschinen.
Evertz-Gruppe beschäftigt
weltweit 650 Mitarbeiter
Die 60 Klopp-Mitarbeiter machen
nur rund ein Zehntel der europäischen
Belegschaft der Evertz-Firmen
aus. Weltweit sind sogar etwa
650 Männer und Frauen für die
Gruppe tätig. Egon Evertz, der vom
Netzwerk Industriekultur „eine der
faszinierendsten Persönlichkeiten
der Solinger Industrie“ genannt
wird, siedelte seine Betriebe in der
Nähe der Stahlproduzenten an. Die
Palette der Angebote reicht vom
Anlagenbau über das Schleifen,
Schälen, Schneiden und Flämmen
bis zur Stranggieß-, Galvano- und
Hydrotechnik. Bei Evertz wurde
auch der größte Magnet der Welt
gebaut (Elektro-Lasthebe-Magneten).
Die Firmenphilosophie fasst
der Gründer so zusammen: „Kosten
senken – Qualität steigern.“ Bei einem
Stahlwerk in Middletown
(Ohio) wurde die Evertz-Tochter ETS
beispielsweise Ende August 2009
ausgezeichnet, weil eine Million
Tonnen Edelstahlbrammen ohne
eine einzige Beanstandung geschliffen
worden waren. Neben dem
Gründer führen heute seine Söhne
Ralf und Stefan die Geschäfte.

F.L. Melchior  Fotos: Beier

Solinger Tageblatt Sonderbeilage "Wirtschaftsraum Solingen 2010" vom 07.06.2010




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