Solinger-Tageblatt "Wirtschaftsraum Solingen"
Es gibt keinen Stillstand. Die Solinger Evertz-Gruppe entwickelt sich immer weiter. Ganz so, wie es Pionier Egon Evertz seit der Gründung seiner Firma 1956 vorgelebt hat. Der Firmengründer schaut mit seinen 88 Jahren immer noch ab und zu am Firmensitz vorbei.
Der liegt inzwischen nicht mehr am Birkenweiher, sondern in Ohligs. Dort, Prinzenstraße 20, ist Jil Evertz mittlerweile als Führungskraft an Bord. Mit der neuen Hauptverwaltung der Evertz-Group konnte sich die 30-Jährige wunderbar mit einem ersten Großprojekt einbringen - und das Solinger Traditionsunternehmen als Bauherrin auch baulich fit für die Zukunft machen.
Das Verwaltungsgebäude für 30 Mitarbeiter am Standort Solingen ist hell, modern, energiesparend. Photovoltaik, isolierte Fassaden und weitere Baumaßnahmen sorgen für einen niedrigen Energiebedarf (Kfw 55).
Die neue Heimat soll einerseits ökologisch sein und andererseits ein ideales Arbeitsklima schaffen. Das wird dem nachhaltigen Anspruch des Unternehmens gerecht - und hilft im Werben um Fachkräfte. Auf drei Etagen erreicht die Evertz-Gruppe diese Ziele mit bodentiefen Fenstern, offenen Büros, modernen Konferenzräumen und einem Mix aus Industriekultur und Kunst.
Jil Evertz ist Personalchefin und Mitgesellschafterin. Die dritte Familiengeneration steht bei Evertz in den Startlöchern. Der neue repräsentative Bau auf dem Firmengelände an der Prinzenstraße ist ein deutlich sichtbares Zeichen.
Ihr Vater Ralf Evertz, Christine Hentschel und Thomas Benner leiten die Geschicke. Die Geschäftsführer haben in den vergangenen Jahren in die Zukunft investiert.
Sichtbar, wie mit dem neuen Verwaltungsgebäude an der Prinzenstraße. Dort ist das Unternehmen seit 1998 mit Produktionshallen und einem Zentrallager vertreten. Das Grundstück ist mehr als 20.000 Quadratmeter groß. 70 Mitarbeiter sind insgesamt in Solingen angestellt.
Darüber hinaus hat die Solinger Gruppe aber auch neue Märkte erschlossen. Um die Serviceverträge im Europa- und USA-Geschäft kümmert sich maßgeblich die Evertz Europe SA unter Leitung von Gilles Schwirtz mit Sitz in Luxemburg, gegründet 2006. Die Großkunden in der Stahlindustrie schätzen ihre Fachkenntnis.
„Erst wenn mein Kunde zufrieden ist, bin ich zufrieden!“
Leitspruch des Gründers
Und die Evertz Hydrotechnik GmbH & Co. KG in Betzdorf unter der Leitung von Thomas Rosenbauer und Matthias Schuss steht für neue Geschäftsbereiche, die das Unternehmen erschlossen hat. In Rheinland-Pfalz werden unter anderem Ventile und Messsysteme produziert.
Außerdem hat sich das Unternehmen Schritt für Schritt unabhängiger gemacht von den Unwägbarkeiten des Weltmarkts. Gestörte Lieferketten gehörten in den vergangenen Jahren neben Energiepreisen, ökologischen Herausforderungen und Personalbedarf zu den größten Aufgaben.
Eine der Kernkompetenzen ist die Oberflächenbearbeitung von Stahl. Hierzu werden in den deutschen Stätten nahezu 400 Schleifscheiben pro Monat verbraucht. Gewicht der Scheibe: etwa 60 Kilogramm. 20 Standorte mit mehr als 500 Mitarbeitern gibt es weltweit. Mittlerweile werden die Schleifsteine in Ohligs selbst produziert und dann an alle Liegenschaft ausgeliefert. Das Unternehmen ist damit wieder ein Stück unabhängiger und stärkt den eigenen Markenkern.
Im Stahlsektor ist Evertz ein geschätzter Partner der Großproduzenten. „Wir sind ein Allrounder in Stahldienstleistungen und bieten Großkunden das Gesamtpaket“, sagt Jil Evertz. 70 Prozent des Geschäfts bestehen aus Dienstleistungen. Darüber hinaus fertigt die Evertz-Gruppe zu weiteren 30 Prozent selbst Maschinen und Anlagen, zum Beispiel Schleifanlagen, Brennschneideanlagen, Flämmmaschinen oder Lasthebemagneten.
Die Gruppe wurde immer breiter aufgestellt. Dabei bleibt das Unternehmen innovativ, hält viele Patente, ist auf internationalen Märkten aktiv und stärkt so als Mittelständler in der Schwerindustrie seine Position. Sein starkes Standbein hat Evertz dabei weiterhin in Solingen, wo Egon Evertz einst als 19-Jähriger eine Erfolgsgeschichte begann.
Im neuen Verwaltungsgebäude ist der umtriebige Gründer weiter omnipräsent. Auch dann, wenn er seiner Firma nicht gerade einen Besuch abstattet. An den Wänden hängen Urkunden, in einem Besprechungsraum steht sein Formel-1-Motor, ein 2-Takter, und die Farbe Orange zieht sich wie selbstverständlich durch das Gebäude.
Und dann ist da noch der Leitspruch des Gründers, der in einem Besprechungsraum an der Wand verewigt ist: „Erst wenn mein Kunde zufrieden ist, bin ich zufrieden!“
Danach handelt die Evertz Group noch heute. Inzwischen in der dritten Generation.
Timo Lemmer
Solinger-Tageblatt vom 10.09.2025